1. Sängers Trost
Author(s): Justinus (Andreas Christian) Kerner Weint auch einst kein Liebchen
Tränen auf mein Grab,
Träufeln doch die Blumen
Milden Tau hinab;
Weilt an ihm kein Wandrer
Im Vorüberlauf,
Blickt auf seiner Reise
Doch der Mond darauf.
Denkt auf diesen Fluren
Bald kein Erdner mein,
Denkt doch mein die Aue
Und der stille Hain.
Blumen, Hain und Aue,
Stern und Mondenlicht,
Die ich sang, vergessen
Ihres Sängers nicht.
2. Dein Angesicht so lieb und schön
Author(s): Heinrich Heine Dein Angesicht so lieb und schön,
Das hab' ich jüngst im Traum gesehn,
Es ist so mild und engelgleich,
Und doch so bleich, so schmerzenreich.
Und nur die Lippen, die sind rot;
Bald aber küßt sie bleich der Tod.
Erlöschen wird das Himmelslicht,
Das aus den frommen Augen bricht.
3. Es leuchtet meine Liebe
Author(s): Heinrich Heine Es leuchtet meine Liebe,
In ihrer dunkeln Pracht,
Wie'n Märchen traurig und trübe,
Erzählt in der Sommernacht.
"Im Zaubergarten wallen
Zwei Buhlen, stumm und allein;
Es singen die Nachtigallen,
Es flimmert der Mondenschein.
"Die Jungfrau steht still wie ein Bildnis,
Der Ritter vor ihr kniet.
Da kommt der Riese der Wildnis,
Die bange Jungfrau flieht.
"Der Ritter sinkt blutend zur Erde,
Es stolpert der Riese nach Haus -"
Wenn ich begraben werde,
Dann ist das Märchen aus.
4. Mein altes Roß
Author(s): Moritz, Graf von Strachwitz Mein altes Roß, mein spielgenoß,
Was siehst du mich wiehernd an?
Deine Sehne, wie lahm,
Mein Mut, wie zahm,
Wir reiten nicht mehr hin dann!
Du schüttelst dein Haupt,
Deine Nüster schnaubt!
Ich glaube, du träumst, Kamerad,
Wir fliegen zusamm' überm Bergeskamm,
Den alten geliebten Pfad!
Ein knarrendes Tor,
Du scharrst davor,
Deine schäumende Stange tropft!
Ein rauschen Gewand,
Eine weiße Hand,
Die den funkelnden Hals dir klopft!
Est stäubt der Kies,
Schlaf süß und hinaus in die blauende Nacht!
Auf tauigem Rain im Mondenschein, dahin mit Macht!
Verhängt den Zaum,
Im Herzen ein Traum,
Auf der Lippe den letzten Kuß;
Dumpf hallender Huf
Und Wachtelruf,
Und fern ein rauschender Fluß!
Einen letzten Blick zurück,
Zurück auf der Liebsten schlafendes Haus!
Mein Kamerad, wie schad,
Daß alles ist aus!
Mein Kamerad, den geliebten Pfad,
Den hat verweht der Schee!
Und das Tor verbaut
Und verloren die Braut,
Und mein Her so weh, so weh!
5. Und als ich ein winzig Bübchen war
Author(s): Anonymous/Unidentified Artist, William Shakespeare (1564-1616) Und als ich ein winzig Bübchen war,
Hop heisa, hop heisa, bei Regen und Wind,
Da machten zweie nun eben ein Paar,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.
Und als ich ach! ein Weib tat frei'n,
Hop heisa, hop heisa, bei Regen und Wind,
Da wollte mir Müßig gehn nicht gedeihn,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.
Die Welt steht schon eine hübsche Weil,
Hop heisa, hop heisa, bei Regen und Wind,
Doch das Stück ist nun aus,
Und ich wünsch euch viel Heil,
Und daß es euch künftig gefalle!