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Robert Schumann   Opus 48

Dichterliebe

Song cycle 1840. Time: 27'00.
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1. Im wunderschönen Monat Mai

Author(s): Heinrich Heine

 Im wunderschönen Monat Mai,
 Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen
 Die Liebe aufgegangen.

 Im wunderschönen Monat Mai,
 Als alle Vögel sangen, Da hab' ich ihr gestanden
 Mein Sehnen und Verlangen.

2. Aus meinen Tränen spriessen

Author(s): Heinrich Heine

 Aus meinen Tränen sprießen
 Viel blühende Blumen hervor,
 Und meine Seufzer werden
 Ein Nachtigallenchor.

 Und wenn du mich lieb hast, Kindchen,
 Schenk' ich dir die Blumen all',
 Und vor deinem Fenster soll klingen
 Das Lied der Nachtigall.

3. Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne

Author(s): Heinrich Heine

 Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne,
 Die liebt' ich einst alle in Liebeswonne.
 Ich lieb' sie nicht mehr, ich liebe alleine
 Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
 
 Sie selber, aller Liebe Wonne,
 Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.
 Ich liebe alleine
 Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine.

4. Wenn ich in deine Augen seh'

Author(s): Heinrich Heine

 Wenn ich in deine Augen seh',
 So schwindet all' mein Leid und Weh; 
 Doch wenn ich küße deinen Mund,
 So werd' ich ganz und gar gesund.

 Wenn ich mich lehn' an deine Brust,
 Kommt's über mich wie Himmelslust;
 Doch wenn du sprichst: ich liebe dich!
 So muß ich weinen bitterlich.

5. Ich will meine Seele tauchen

Author(s): Heinrich Heine

 Ich will meine Seele tauchen
 In den Kelch der Lilie hinein;
 Die Lilie soll klingend hauchen
 Ein Lied von der Liebsten mein.

 Das Lied soll schauern und beben
 Wie der Kuß von ihrem Mund,
 Den sie mir einst gegeben
 In wunderbar süßer Stund'.

6. Im Rhein, im schönen Strome

Author(s): Heinrich Heine

 Im Rhein, im heiligen Strome,
 Da spiegelt sich in den Well'n
 Mit seinem großen Dome
 Das große, heil'ge Köln.

 Im Dom da steht ein Bildnis,
 Auf goldnem Leder gemalt;
 In meines Lebens Wildnis
 Hat's freundlich hineingestrahlt.

 Es schweben Blumen und Eng'lein
 Um unsre liebe Frau;
 Die Augen, die Lippen, die Wänglein,
 Die gleichen der Liebsten genau.

7. Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht

Author(s): Heinrich Heine

 Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht,
 Ewig verlor'nes Lieb ! Ich grolle nicht.
 Wie du auch strahlst in Diamantenpracht,
 Es fällt kein Strahl in deines Herzens Nacht.
 Das weiß ich längst.

 Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht,
 Ich sah dich ja im Traume, 
 Und sah die Nacht in deines Herzens Raume,
 Und sah die Schlang', die dir am Herzen frißt,
 Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.
 Ich grolle nicht.

8. Und wüßten's die Blumen, die kleinen

Author(s): Heinrich Heine

 Und wüßten's die Blumen, die kleinen,
 Wie tief verwundet mein Herz,
 Sie würden mit mir weinen,
 Zu heilen meinen Schmerz.

 Und wüßten's die Nachtigallen,
 Wie ich so traurig und krank,
 Sie ließen fröhlich erschallen
 Erquickenden Gesang.

 Und wüßten sie mein Wehe,
 Die goldenen Sternelein,
 Sie kämen aus ihrer Höhe,
 Und sprächen Trost mir ein.

 Sie alle können's nicht wissen,
 Nur eine kennt meinen Schmerz;
 Sie hat ja selbst zerrissen,
 Zerrissen mir das Herz.

9. Das ist ein Flöten und Geigen

Author(s): Heinrich Heine

 Das ist ein Flöten und Geigen,
 Trompeten schmettern darein
 Da tanzt wohl den Hochzeitreigen
 Die Herzallerliebste mein.

 Das ist ein Klingen und Dröhnen,
 Ein Pauken und ein Schalmei'n;
 Dazwischen schluchzen und stöhnen
 Die lieblichen Engelein.

10. Hör' ich das Liedchen klingen

Author(s): Heinrich Heine

 Hör' ich das Liedchen klingen,
 Das einst die Liebste sang,
 So will mir die Brust zerspringen
 Von wildem Schmerzendrang.
 Es treibt mich ein dunkles Sehnen
 Hinauf zur Waldeshöh',
 Dort löst sich auf in Tränen
 Mein übergroßes Weh'.

11. Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Author(s): Heinrich Heine

 Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
 Die hat einen andern erwählt;
 Der andre liebt eine andre,
 Und hat sich mit dieser vermählt.

 Das Mädchen nimmt aus Ärger
 Den ersten besten Mann,
 Der ihr in den Weg gelaufen;
 Der Jüngling ist übel dran.

 Es ist eine alte Geschichte,
 Doch bleibt sie immer neu;
 Und wem sie just passieret,
 Dem bricht das Herz entzwei.

12. Am leuchtenden Sommermorgen

Author(s): Heinrich Heine

 Am leuchtenden Sommermorgen
 Geh' ich im Garten herum.
 Es flüstern und sprechen die Blumen,
 Ich aber wandle stumm.
 Es flüstern und sprechen die Blumen,
 Und schaun mitleidig mich an:
 Sei unserer Schwester nicht böse,
 Du trauriger blasser Mann.

13. Ich hab' im Traum geweinet

Author(s): Heinrich Heine

 Ich hab' im Traum geweinet,
 Mir träumte, du lägest im Grab.
 Ich wachte auf, und die Träne 
 Floß noch von der Wange herab.

 Ich hab' im Traum geweinet,
 Mir träumt', du verließest mich.
 Ich wachte auf, und ich weinte
 Noch lange bitterlich.

 Ich hab' im Traum geweinet,
 Mir träumte, du wär'st mir noch gut.
 Ich wachte auf, und noch immer
 Strömt meine Tränenflut.

14. Allnächtlich im Traume seh' ich dich

Author(s): Heinrich Heine

 Allnächtlich im Traume seh' ich dich
 Und sehe dich freundlich grüßen,
 Und laut aufweinend stürz' ich mich
 Zu deinen süßen Füßen.

 Du siehest mich an wehmütiglich
 Und schüttelst das blonde Köpfchen;
 Aus deinen Augen schleichen sich  
 Die Perlentränentröpfchen.

 Du sagst mir heimlich ein leises Wort
 Und gibst mir den Strauß von Zypressen.
 Ich wache auf, und der Strauß ist fort,
 Und 's Wort hab' ich vergessen.

15. Aus alten Märchen winkt es

Author(s): Heinrich Heine

 Aus alten Märchen winkt es
 Hervor mit weißer Hand,
 Da singt es und da klingt es
 Von einem Zauberland;

 Wo bunte Blumen blühen
 Im gold'nen Abendlicht,
 Und lieblich duftend glühen,
 Mit bräutlichem Gesicht;

 Und grüne Bäume singen
 Uralte Melodei'n,
 Die Lüfte heimlich klingen,
 Und Vögel schmettern drein;

 Und Nebelbilder steigen
 Wohl aus der Erd' hervor,
 Und tanzen luft'gen Reigen
 Im wunderlichen Chor; 

 Und blaue Funken brennen
 An jedem Blatt und Reis,
 Und rote Lichter rennen
 Im irren, wirren Kreis;

 Und laute Quellen brechen
 Aus wildem Marmorstein.
 Und seltsam in den Bächen
 Strahlt fort der Widerschein. 

 Ach, könnt' ich dorthin kommen,
 Und dort mein Herz erfreu'n,
 Und aller Qual entnommen,
 Und frei und selig sein!

 Ach! jenes Land der Wonne,
 Das seh' ich oft im Traum,
 Doch kommt die Morgensonne,
 Zerfließt's wie eitel Schaum.

16. Die alten, bösen Lieder

Author(s): Heinrich Heine

 Die alten, bösen Lieder,
 Die Träume bös' und arg,
 Die laßt uns jetzt begraben,
 Holt einen großen Sarg.

 Hinein leg' ich gar manches,
 Doch sag' ich noch nicht, was;
 Der Sarg muß sein noch größer,
 Wie's Heidelberger Faß.

 Und holt eine Totenbahre,
 Und Bretter fest und dick;
 Auch muß sie sein noch länger,
 Als wie zu Mainz die Brück'.

 Und holt mir auch zwölf Riesen,
 Die müssen noch stärker sein
 Als wie der starke Christoph
 Im Dom zu Köln am Rhein.

 Die sollen den Sarg forttragen,
 Und senken ins Meer hinab;
 Denn solchem großen Sarge
 Gebührt ein großes Grab.

 Wißt ihr, warum der Sarg wohl
 So groß und schwer mag sein?
 Ich senkt' auch meine Liebe 
 Und meinen Schmerz hinein.


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