1. Die Soldatenbraut
Author(s): Eduard Mörike Ach, wenn's nur der König auch wüßt',
Wie wacker mein Schätzelein ist!
Für den König, da ließ' er sein Blut,
Für mich aber eben so gut.
Mein Schatz hat kein band und kein' Stern,
Kein Kreuz wie die vornehmen Herrn,
Mein Schatz wird auch kein General;
Hätt' er nur seinen Abschied einmal!
Es scheinen drei Sterne so hell
Dort über Marien-Kapell;
Da knüpft uns ein rosenrot' Band,
Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.
2. Früh, wann die Hähne kräh'n
Author(s): Eduard Mörike Früh, wann die Hähne kräh'n,
Eh' die Sternlein schwinden,
Muß ich am Heerde steh'n,
Muß Feuer zünden.
Schön ist der Flamme Schein,
Es springen die Funken.
Ich schaue so darein,
in Leid versunken.
Plötzlich, da kommt es mir,
Treuloser Knabe,
Daß ich die Nacht von dir
Geträumet habe.
Träne auf Träne dann
Stürzet hernieder;
So kommt der Tag heran -
O ging er wieder!
3b. Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht
Author(s): Heinrich Heine Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,
Es fiel auf die zarten Blaublümelein:
Sie sind verwelket, verdorrt.
Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb;
sie flohen heimlich von Hause fort,
es wußt' weder Vater noch Mutter.
Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind gestorben, verdorben.
3c. Auf ihrem Grab da steht eine Linde
Author(s): Heinrich Heine Auf ihrem Grab da steht eine Linde,
Drin pfeifen die Vögel im Abendwinde,
Und drunter sitzt auf dem grünen Platz,
Der Müllersknecht mit seinem Schatz.
Die Winde wehen so lind und so schaurig,
Die Vögel singen so süß und so traurig:
Die schwatzenden Buhlen, sie werden stumm,
Sie weinen und wissen selbst nicht warum.