2. Schmetterling
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben O Schmetterling sprich,
was fliehest du mich?
warum doch so eilig,
jetzt fern und dann nah!
Jetzt fern und dann nah,
jetzt hier und dann da. --
ich will dich nicht haschen,
ich tu dir kein Leid.
Ich tu dir kein Leid:
o bleib allezeit!
und wär ich ein Blümchen,
so spräch ich zu dir.
So spräch ich zu dir:
komm, komm doch zu mir!
ich schenk dir mein Herzchen,
wie gut bin ich dir!
3. Frühlingsbotschaft
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen, lasset uns springen,
Lasset uns singen und springen!
Frühling wird es nun bald!
Kuckuck, Kuckuck läßt nicht sein Schrein:
Komm in die Felder, Wiesen und Wälder!
Komm in die Felder und Wälder!
Frühling, stelle dich ein!
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen, ist dir gelungen,
Ist dir gelungen, gelungen:
Winter räumet das Feld.
4. Frühlingsgrüß
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben So sei gegrüßt vieltausendmal, holder, holder Frühling!
Willkommen hier in unserm Tal, holder, Holder Frühling!
Holder Frühling, überall
Grüßen wir dich froh mit Sang und Schall
Du kommst, und froh ist alle Welt, holder, holder Frühling!
Es freut sich Wiese, Wald und Feld, holder, holder Frühling!
Jubel tönt dir überall,
Dich begrüßet Lerch und Nachtigall.
So sei gegrüß vieltausendmal, holder, holder Frühling!
O bleib recht lang' in unserm Tal, holder, holder Frühling!
Kehr in alle Herzen ein,
Laß doch alle mit uns fröhlich sein!
5. Vom Schlaraffenland
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Kommt, wir wollen uns begeben
Jetzo ins Schlaraffenland!
Seht, da ist ein ustig Leben
Und das Trauernun bekannt!
Seht, da läßt sich billig leben
Und omsonst recht lustig sein.
Milch und Honig fließt in Bächen,
Aus den Felsen quillt der Wein!
Und von Kuchen, Butterwecken
Sind die Zweige voll und schwer;
Feigen wachsen in den Hecken,
Ananas im Busch umher.
Keiner darf sich müh'n und bücken,
Alles stellt von selbst sich ein.
O wie ist es zum entzücken!
Ei, wer möchte dort nicht sein!
Und die straßen aller Orten,
Jeder Weg und jede Bahn
Sind gebaut aus Zuckertorten
Und Bonbons und Marzipan.
Und von Brezeln sind die Brücken
Aufgeführt gar hübsch und fein.
O wie ist es zum Entzücken!
Ei, wer möchte dort nicht sein!
Ja, das mag ein schönes Leben
Und ein herrlich Ländchen sein.
Mancher hat sich hinbegeben,
Aber keiner kam hinein.
Ja, und habt ihr keine Flügel,
Nie gelangt ihr bis ans Tor,
Denn es liegt ein breiter Hügel
Ganz von Pflaumenmus davor.
6. Sonntag
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Der Sonntag ist gekommen,
Ein Sträußchen auf dem Hut;
Sein Aug ist mild und heiter,
Er meint's mit allen gut.
Er steiget auf die Berge,
Er wandelt durch das Tal,
Er ladet zum Gebete
Die Menschen allzumal.
Und wie in schönen Kleidern
Nun pranget jung und alt,
Hat er für sie geschmücket
Die Flur und auch den Wald.
Und wie er allen Freude
Und Frieden bringt und Ruh,
So ruf auch du nun jedem
"Gott grüß dich" freundlich zu.
"Gott grüß dich" freundlich zu.
7a. Zigeunerliedchen I
Author(s): Emanuel von Geibel, Anonymous/Unidentified Artist Unter die Soldaten ist ein Zigeunerbub' gegangen,
Mit dem Handgeld ging er durch, und morgen muß er hangen.
Holten mich aus meinem Kerker, setzten auf den Esel mich,
Geißelten mir meine Schultern, daß das Blut floß auf den Weg.
Holten mich aus meinem Kerker, stießen mich ins Weite fort,
Griff ich rasch nach meiner Büsche, tat auf sie den ersten Schuß.
7b. Zigeunerliedchen II
Author(s): Emanuel von Geibel, Anonymous/Unidentified Artist Jeden Morgen, in der Frühe,
Wenn mich weckt das Tageslicht,
Mit dem Wasser meiner Augen
Wasch' ich dann mein Angesicht.
Wo die Berge hoch sich türmen
An dem Saum des Himmels dort,
Aus dem Haus, dem schönen Garten,
Trugen sie bei Nacht mich fort.
8. Ich bin vom Berg der Hirtenknab
Author(s): Johann Ludwig Uhland Ich bin vom Berg der Hirtenknab,
Seh auf die Schlösser all herab.
Die Sonne strahlt am ersten hier,
Am längsten weilet sie bei mir,
Ich bin der Knab' vom Berge,
Vom Berg der Hirtenknab!
Hier ist des Stromes Mutterhaus,
Ich trink' ihn frisch vom Stein heraus,
Er braust am Fels in wildem Lauf,
Ich fang' ihn mit den Armen auf.
Ich bin der Knab' vom Berge,
Vom Berg der Hirtenknab!
Der Berg, der ist mein Eigentum,
Da ziehn die Stürme rings herum,
Und heulen sie von Nord und Süd,
So überschallt sie doch mein Lied.
Ich bin der Knab' vom Berge,
Vom Berg der Hirtenknab!
Sind Blitz und Donner unter mir,
So steh' ich hoch im Blauen hier;
Ich kenne sie und rufe zu:
Laßt meines Vaters Haus in Ruh!
Ich bin der Knab' vom Berge,
Vom Berg der Hirtenknab!
Und wann die Sturmglock' einst erschallt,
Manch Feuer auf den Bergen wallt,
Dann steig' ich nieder, tret' ins Glied
Und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied:
Ich bin der Knab' vom Berge,
Vom Berg der Hirtenknab!
9. Komm, lieber Mai, und mache
Author(s): Christian Adolf Overbeck Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün,
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn!
Wie möcht ich doch so gerne
Ein Veilchen wieder sehn,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren gehn!
Zwar Winterage haben
Wohl auch der Freuden viel;
Man kann im Schnee eins traben
Und treibt manch Abendspiel,
Baut Häuschen von Karten,
Spielt Blindekuh und Pfand;
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Auf's liebe freie Land.
Doch wenn die Vöglein singen
Und wir dann froh und flink
Auf grünen Rasen springen,
Das ist ein ander Ding!
Jetzt muß mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel stehn;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Kot nicht gehn.
Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid;
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Blumenzeit;
Umsonst hol ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie Hühnchen auf dem Ei.
Ach, wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
Wir bitten dich gar sehr!
O komm und bring vor allen
Uns viele Veilchen mit,
Bring auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit!
10. Ich armes Käuzlein kleine
Author(s): Des Knaben Wunderhorn Ich armes Käuzlein kleine,
Wo soll ich fliegen aus,
Bei Nacht so gar alleine,
Bringt mir so manchen Graus
Das macht der Eulen Ungestalt
Ihr Trauern mannigfalt.
Ich wills Gefieder schwingen,
Gen Holz in grünen Wald,
Die Vögel hören singen,
In mancherlei Gestalt
Vor allen lieb' ich Nachtigall,
Vor allen liebt' mich Nachtigall.
Die Kinder unten glauben,
Ich deute Böses an,
Sie wollen mich vertreiben
Das ich nicht schreien kann
Wenn ich was deute tut's mir leid,
Und was ich schrei' ist keine Freud'.
Mein Ast ist mir entwichen,
Darauf ich ruhen sollt',
Sein Blättlein all' verblichen,
Frau Nachtigall geholt
Das schafft der Eulen falsche Tück,
Die störet all mein Glück.
11. Hinaus in's Freie
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Wie blüht es im Tale,
wie grünt's auf den Höhn!
Und wie ist es doch im Freien,
im Freien so schön!
Es ladet der Frühling,
der Frühling uns ein,
Nach der Weidenflöte sollen
wir springen zum Reihn.
Es ladet der Frühling,
der Frühling uns ein;
Nach der Weidenflöte sollen
wir springen Reihn.
Wer wollte nicht tanzen
dem Frühling zu Lieb',
Der den schlimmen, langen Winter
uns endlich vertrieb?
Wer wollte nicht tanzen
dem Frühling zu Lieb',
Der den schlimmen, langen Winter
uns endlich vertrieb?
So kommet, so kommet
ins Freie hinaus!
Wann die Abendglocke läntet,
geht's wieder nach Haus!
12. Der Sandmann
Author(s): (Gustav) Hermann Kletke Zwei feine Stieflein hab ich an
mit wunderweichen Söhlchen dran,
ein Säcklein hab ich hintenauf!
husch! tripp! ich rasch die Trepp hinauf.
Und wenn ich in die Stube tret,
die Kinder beten ein Gebet:
von meinem Sand zwei Körnelein
streu ich auf ihre Äugelien,
da schlafen sie die ganze Nacht
in Gottes und der Englein Wacht.
Von meinem Sand zwei Körnelein
streut' ich auf ihre Äugelein:
den frommen Kindern soll gar schön
ein froher Traum vorübergehn.
Nun risch und rasch mit Sack und Stab
nur wieder jetzt die Trepp hinab.
Ich kann nicht länger müßig stehn,
muß heut noch zu gar vielen gehn.
Da nickt ihr schon und lacht im Traum,
und öffnete doch mein Säcklein kaum.
13. Marienwürmchen
Author(s): Des Knaben Wunderhorn Marienwürmchen, setze dich auf meine Hand,
Ich tu' dir nichts zuleide.
Es soll dir nichts zuleid geschehn,
Will nur deine bunten Flügel sehn,
Bunte Flügel meine Freude.
Marienwürmchen, fliege weg,
Dein Häuschen brennt, die Kinder schrein
So sehre, wie so sehre.
Die böse Spinne spinnt sie ein,
Marienwürmchen, flieg hinein,
Deine Kinder schreien sehre.
Marienwürmchen, fliege hin zu Nachbars Kind,
Sie tun dir nichts zuleide.
Es soll dir ja kein Leid geschehn,
Sie wollen deine bunten Flügel sehn,
Und grüß sie alle beide.
14. Die Waise
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Der Frühling kehret wieder,
Und alles freuet sich,
Ich blicke traurig nieder,
Er kam ja nicht für mich.
Was soll mir armen Kinde
Des Frühlings Pracht und Glanz?
Denn wenn ich Blumen winde,
Ist es zum Totenkranz.
Ach! keine Hand geleitet
Mich heim ins Vaterhaus,
Und keine Mutter breitet
Die Arme nach mir aus.
O Himmel, gib mir wieder,
Was deine Liebe gab
Blick ich zur Erde nieder,
So seh ich nur ihr Grab.
15. Vöglein vom Zweig
Author(s): Friedrich Hebbel Vöglein vom Zweig
Gaukelt hernieder;
Lustig sogleich
Schwingt es sich wieder.
Jetzt dir so nah,
Jetzt sich versteckend;
Abermals da,
Scherzend und neckend.
Tastest du zu,
Bist du betrogen,
Spottend im Nu
Ist es entflogen.
Still! Bis zur Hand
Wird's dir noch hüpfen,
Bist du gewandt,
Kann's nicht entschlüpfen.
Ist's denn so schwer
Das zu erwarten?
Schau' um dich her:
Blühender Garten!
Ei, du verzagst?
Laß' es gewähren,
Bis du's erjagst,
Kannst du's entbehren.
Wird's doch auch dann
Wenig nur bringen,
Aber es kann
Süßestes singen.
16. Weihnachtslied
Author(s): Hans Christian Andersen Als das Christkind war zur Welt gebracht,
Das uns von der Hölle gerettet,
Da lag's auf der Krippe bei finstrer Nacht,
Auf Stroh und Heu gebettet;
Doch über der Hütte glänzte der Stern,
Und der Ochse küßte den Fuß des Herrn.
Halleluja, Kind Jesus!
Ermanne dich, Seele, die krank und matt,
Vergiß die nagenden Schmerzen.
Ein Kind ward geboren in Davids Stadt
Zum Trost für alle Herzen.
O laßt uns wallen zum Kindlein hin,
Und Kinder werden in Geist und Sinn.
Halleluja, Kind Jesus!
17. Die wandelnde Glocke
Author(s): Johann Wolfgang von Goethe Es war ein Kind, das wollte nie
Zur Kirche sich bequemen,
Und sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg ins Feld zu nehmen.
Die Mutter sprach: die Glocke tönt,
Und so ist dir's befohlen,
Und hast du dich nicht hingewöhnt,
Sie kommt und wird dich holen.
Das Kind, es denkt: die Glocke hängt
Da droben auf dem Stuhle.
Schon hat's den Weg ins Feld gelenkt,
Als lief' es aus der Schule.
Die Glocke, Glocke tönt nicht mehr,
Die Mutter hat gefackelt.
Doch welch ein Schrecken hinterher!
Die Glocke kommt gewackelt.
Sie wackelt schnell, man glaubt es kaum;
Das arme Kind im Schrecken,
Es läuft, es rennt, als wie im Traum;
Die Glocke wird es decken.
Doch nimmt es richtig seinen Husch
Und mit gewandter Schnelle,
Eilt es durch Anger, Feld und Busch
Zur Kirche, zur Kapelle.
Und jeden Sonn- und Feiertag
Gedenkt es an den Schaden,
Läßt durch den ersten Glockenschlag
Nicht in Person sich laden.
18. Frühlingslied
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Schneeglöckchen klingen wieder
Uns heitre Tag und Lieder.
Wie läuten sie so schön
Im Tal und auf den Höhn:
Der König ziehet ein,
Der König ist erschienen.
Ihr sollt ihm treulich dienen
Mit heitrem Blick und Mienen,
O laßt den König ein.
Er kommt vom Sterngefilde
Und führt in seinem Schilde
Die Güte nur und Milde.
Er trägt die Freud und Lust
Als Stern an seiner Brust,
Ist gnädig jedermann,
Den Herren und den Knechten,
Den Guten und den Schlechten,
Den Bösen und Gerechten,
Sieht alle liebreich an.
Ihr aber fragt und wißt es,
Und wer's auch weiß, vergißt es,
Der König Frühling ist es.
Etgegen ihm mit Sang,
Mit Saitenspiel und Klang!
Der König ziehet ein,
Der König ist erschienen.
Ihr sollt ihm treulich dienen
Mit heitrem Blick und Mienen,
O laßt den König ein!
19. Frühlings Ankunft
Author(s): August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Nach diesen trüben Tagen,
Wie ist so hell das Feld!
Zerrißne Wolken tragen
Die Trauer aus der Welt.
Und Keim und Knospe mühet
Sich an das Licht hervor,
Und manche Blume blühet
zum Himmel still empor.
Ja, auch so gar die Eichen
Und Reben werden grün!
O Herz, das sei dein Zeichen,
werde froh und kühn!
20. Die Schwalben
Author(s): Des Knaben Wunderhorn Es fliegen zwei Schwalben ins Nachbar sein Haus,
Sie fliegen bald hoch und bald nieder;
Aufs Jahr, da kommen sie wieder,
Und suchen ihr voriges Haus.
Sie gehen jezt fort ins neue Land,
Und ziehen jezt eilig hinüber;
Doch kommen sie wieder herüber,
Das ist einem jeden bekannt.
Und kommen sie wieder zu uns zurück,
Der Baur geht ihnen entgegen;
Sie bringen ihm vielmahl den Segen,
Sie bringen ihm Wohlstand und Glück.
21. Kinderwacht
Author(s): Anonymous/Unidentified Artist Wenn fromme Kindlein schlafen gehn,
An ihrem Bett zwei Englein stehn,
Decken sie zu, decken sie auf,
Haben ein liebendes Auge drauf.
Wenn aber auf die Kindlein stehn,
Die beiden Engel schlafen gehn,
Reicht nun nicht mehr der Englein Macht,
Der liebe Gott hält selbst die Wacht.
22. Ihr Matten, lebt wohl
Author(s): Friedrich von Schiller Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Senne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.
Wir fahren zu Berg, wir kommen wieder,
Wenn der Kuckuck ruft, wenn erwachen die Lieder,
Wenn mit Blumen die Erde sich kleidet neu,
Wenn die Brünnlein fließen im lieblichen Mai.
Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Senne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.
25. Schneeglöckchen
Author(s): Friedrich Rückert Der Schnee, der gestern noch in Flöckchen
Vom Himmel fiel,
Hängt nun geronnen heut als Glöckchen
Am zarten Stiel.
Schneeglöckchen läutet, was bedeutet's
Im stillen Hain?
O komm geschwind! Im Haine läutet's
Den Frühling ein.
O kommt, ihr Blätter, Blüt' und Blume,
Die ihr noch träumt,
All zu des Frühlings Heiligtume!
Kommt ungesäumt!
26. Zum Sehen geboren
Author(s): Johann Wolfgang von Goethe Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen
Gefällt mir die Welt.
Ich blick' in die Ferne,
Ich seh' in der Näh'
Den Mond und die Sterne,
Den Wald und das Reh.
So seh' ich in allen
Die ewige Zier,
Und wie mir's gefallen,
Gefall' ich auch mir.
Ihr glücklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei, was es wolle,
Es war doch so schön!
27. Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn
Author(s): Johann Wolfgang von Goethe Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!
